Zurück zum Inhalt
Diese Seite teilen auf

Wilde Sachen

Das Naturzentrum Haus Ternell am Rand des Hohen Venns ist vieles: Museum, Kräutergarten und Erlebniszentrum. Wir haben einen Wildkräuterkurs besucht und sind gemeinsam mit Kräuter-Expertin Karin Laschet auf Exkursion gegangen.

Text: Christiane Würtenberger  Fotos: Oliver Raatz

Diese Seite teilen auf
Ternell Kraeuterwanderung H©Oliver Raatz Interreg EFRE (34)

Sie wachsen auf der Wiese.

Stehen am Wegrand. Siedeln sich einfach so im Garten an. Man kennt sie, würde aber nicht unbedingt darauf kommen, dass sie essbar sind, gesund und zum Großteil auch ziemlich lecker – denn in der kultivierten Kräuterspirale kommen diese Pflanzen eher nicht vor: rote Kleeblüten zum Beispiel, zarte Gierschblätter oder Dost, wilder Majoran. Karin Laschet streift mit ihren Gästen rund ums Naturzentrum Haus Ternell unweit von Eupen, lässt sie viele zarte Pflänzchen anfassen, pflücken und kosten. Sie erklärt, wie man die Kräuter sicher bestimmt, welche Wirkung sie haben und wozu sie besonders gut schmecken.

Das Haus Ternell liegt in Ostbelgien, am Rande des größten Naturschutzgebiets von Belgien, des Hohen Venns. Neben einem Museum über die hiesige Tier- und Pflanzenwelt beherbergt der große Bau aus Buntsandstein auch ein Restaurant mit Café. Das Naturzentrum, dessen vollständiger Name „Haus Ternell Eupen, Zentrum für Umweltbildung und Nachhaltigkeit“ lautet, bietet Wanderungen und Workshops für jede Altersklasse an – Karin Laschets Wildkräuterkurs ist eines der Angebote dort.

Das eigene Essen sammeln

„Ich liebe es, mit Menschen draußen in der Natur unterwegs zu sein und Heilpflanzen zu sammeln“, sagt die Expertin für Wildkräuter und Vollwert-Ernährung. Unterwegs lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht nur, dass Gierschblätter petersilienähnlich schmecken, sondern auch, dass ihr Vitamin-C-Gehalt sehr hoch ist. Sie schnuppern an Holunderdolden, pflücken rote Lichtnelken und kauen auf Kleeblättern herum, die laut Karin Laschet reich an Vitamin A sind. Und welchen Geschmack haben die? „Hmm, also neu, anders, nach Kleeblüten vermutlich“, bemerkt eine der Teilnehmerinnen lachend.

Das Hohe Venn ist ein einzigartiger Lebensraum. In der letzten Eiszeit haben sich auf dem 5.000 Hektar großen Hochplateau bis zu zehn Meter tiefe Hochmoore gebildet. Der saure Boden, das kalte Klima und die hohen Niederschläge über dem Plateau haben eine Pflanzenwelt hervorgebracht, die man im restichen Ostbelgien so nicht findet: Der streng geschützte Beinbrech wächst hier, der seltene Europäische Siebenstern und auch der fleischfressende Rundblättrige Sonnentau. „Das Hohe Venn ist ein echtes Naturreservoir, wir wohnen hier wirklich im Paradies“, schwärmt Laschet. Essbare Pflanzen gibt es nur wenige im Hohen Venn. Die pflücken Laschet und ihre Gäste im großen Garten, der zum Haus Ternell gehört.

Mit Kräutern Speisen verfeinern

„Wildkräuter haben besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe wie etwa Flavonoide und Gerbstoffe, die uns stärken können. Die Pflanzen brauchen sie, um gut in der wilden Natur wachsen zu können“, erklärt Karin Laschet, als die Gäste am späten Vormittag in der Küche stehen und die gesammelten Naturschätze weiterverarbeiten: Majoran und Kleeblüten kommen gemeinsam mit etwas Feta in den Kräuterquark, die Holunderblüten in Honigwasser taugen Es müssen gar nicht immer so viele Kräuter verwendet werden. Etwas klein gehackter Giersch oder eine Handvoll Kleeblüten reichen oft schon In Blüten verstecken sich häufig Insekten. Darum wird die Ernte vor dem Verarbeiten erstmal ausgebreitet für die Limonade, und der gehackte Giersch schmeckt sehr gut in einer Kräuterbutter, die am Ende in ein Mangoldblatt gerollt wird.

Als alle am Tisch sitzen und essen, gibt Karin Laschet ein paar Tipps, die ihr wichtig sind im Umgang mit Kräutern: Respekt vor der Natur haben, nicht mehr pflücken, als man braucht und auch frisch verwenden kann. Die Pflanze nicht schädigen oder gar herausreißen, damit sie weiter wachsen kann. „Und am besten breitet ihr die gesammelten Kräuter zu Hause erst einmal aus, dann haben kleine Insekten die Chance, in die Freiheit zu entkommen“, sagt sie und schneidet vom selbst gebackenen Vollkornbrot auf.

Mehr Informationen

Wer draußen in der Natur gerne Wissen sammelt,  für den sind auch die kurzen, informativen Lehrpfade interessant, die sich ganz verschiedenen Themen widmen – die meisten Touren machen der ganzen Familie Spaß. Durch besonders eindrucks-volle Lanschaften wiederum führen die Genusstouren, die in Ostbelgien ausgewiesen worden sind.

Das könnte Sie auch interessieren

inspi5

Erde dich

Volle Fahrt voraus: Die Trails der neuen Stoneman-Route sind auch für Profis eine Herausforderung.

inspi2

Guck mal, was da wächst

Rings um das Flüsschen Holzwarche in Ostbelgien  erstreckt sich ein wunderschönes Naturschutzgebiet, ideal zum Wandern für Jung und Alt.

inspi4

Auf ein Bier nach Bellevaux

Brune, Blonde, Blanche, Black, Malmedy Triple – in der Taverne der Bierbrauerei Bellevaux  können Gäste die besonderen Biersorten probieren.

inspi3

Zu Besuch im Niemandsland

103 Jahre lang gehörte die Bergbaustadt Neutral-Moresnet im Dreiländereck zwischen Belgien, Deutschland und den Niederlanden keinem Staat an.

inspi1

Ein Land, das Genuss lebt

Ostbelgien ist eine Region, in der die Menschen eine gelassene Lebensart pflegen und Gäste herzlich empfangen.

inspi6

Das Hohe Venn im Fokus

Baumgerippe, wilde Natur, endlose Holz-stege und ein leichter Nebel – wunderbar entspannend ist eine Wanderung durchs riesige Hohe Venn.

Wolfsbusch H©Udo Bernhart Interreg EFRE (93)

Von Kelten und Glücksrittern – eine Wanderung durch den Wolfsbusch

Julius Caesar, Zwerge und die Kelten: Ihnen allen begegnet man auf der knapp zehn Kilometer langen „Genusstour Flussgold“ durch den Wolfsbusch.